DIE IDEE
WUNDEN DER GESCHICHTE HEILEN

Seit 1996 haben in Caux Tagungen zum Thema Agenda für Versöhnung stattgefunden. Daraus wurde bald eine fortwährende Initiative. Mehr dazu in englischer Sprache...


Die deutsch-französische Aussöhnung

Reconcialiation France Germany Caux

Schon 1946 lud Frank Buchman, der Initiator der Moralischen Aufrüstung, Deutsche zur Teilnahme an den ersten Tagungen in Caux ein. Die Deutschen, die Caux besuchten, waren die ersten, die von den alliierten Besatzungsbehörden die Erlaubnis bekamen, ins Ausland zu reisen.

3000 Deutsche und 2000 Franzosen haben zwischen 1946 und 1950 Caux besucht, unter ihnen zahlreiche Menschen in Schlüsselpositionen: Abgeordnete, Industrielle, Gewerkschafter, Pressevertreter. Der spätere Bundeskanzler Konrad Adenauer, der 1948 nach Caux kam, in der Folge seine Dankbarkeit dafür zum Ausdruck brachte, dass die Moralische Aufrüstung dem deutschen Volk die Hand der Freundschaft gereicht hatte.

Unter den französischen Konferenzteilnehmern ist eine Widerstandskämpferin der Résistance, nach dem Krieg sozialistische Abgeordnete in der verfassungsgebenden Versammlung: Irène Laure. Durch die Anwesenheit von Deutschen in Caux zunächst tief verstört, erfährt sie eine echte innere Wandlung und bittet die Deutschen öffentlich um Verzeihung für ihren Hass. Diese Botschaft der Versöhnung verbreitet sie später in Deutschland in Zusammenarbeit mit verschiedenen Einsatzgruppen der Moralischen Aufrüstung.
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Japan bereut

Japanese Apology

Vielfach ist den politisch Verantwortlichen Japans vorgeworfen worden, sie hätten es versäumt, die von Japan im 2. Weltkrieg besetzten Länder offiziell und öffentlich um Verzeihung zu bitten. Führende japanische Politiker haben jedoch, inspiriert von der Botschaft der Moralischen Aufrüstung, bereits in den ersten Nachkriegsjahren dahingehende Aussagen gemacht.

Im Juni 1950 unternimmt eine Gruppe von "Botschaftern" Japans - Politiker, Gewerkschafter und Industrielle - eine Reise durch Europa und Amerika. Ihre erste Station ist eine Konferenz in Caux. Die Bürgermeister von Hiroshima und Nagasaki sowie sieben Provinzgouverneure gehören zur Delegation. Der US-Senat empfängt die Gruppe in Washington, und während des Empfangs entschuldigt sich der persönliche Abgesandte des japanischen Ministerpräsidenten für "die Fehler Japans", was die amerikanische Presse als sensationelle Nachricht veröffentlicht.

Einige Jahre später veranlassen japanische Abgeordnete, die durch ihre Kontakte mit der Moralischen Aufrüstung eine neue innere Haltung gefunden hatten, Ministerpräsident Nobusuke Kishi dazu, in den neun pazifischen Ländern, die er im Jahr 1957 besuchte, öffentlich und offiziell im Namen Japans um Verzeihung zu bitten.

"Meinen Besuch in Caux im Jahr 1950 habe ich in bester Erinnerung", erklärte Yasuhiro Nakasone, als er Ministerpräsident war. "Damals hat die Moralische Aufrüstung dazu beigetragen, Japan wieder in die Völkerfamilie zurückzuführen." Nakasone gehörte zum Einladungskomitee für die Tagungen zum 50-Jahr-Jubiläum von Caux im Jahre 1996. Japanische Parlamentarier ergreifen seither gemeinsam mit einigen Schweizer Kolleginnen und Kollegen die Initiative für die "Politician’s Round Table" in Caux.

Umfassende Erkenntnis

In einer meisterhaften Analyse der jüngeren Geschichte Japans wies Masahide Shibusawa, Direktor des Tokyo-Jogakan-College, im August 1996 darauf hin, japanische politische Verantwortliche hätten zwar hier und dort ihr Bedauern über die von ihrem Land durchgeführten Aggressionen ausgedrückt; dies hätte aber keineswegs zu einer landesweiten Akzeptanz der moralischen Verantwortung für die Verbrechen der Vergangenheit geführt.

Einige jüngere Äusserungen japanischer Politiker kämen sogar einem Leugnen der Vergangenheit gleich. Während Deutschland nach dem Krieg schätzungsweise 70 Milliarden Dollar an Wiedergutmachungsgeldern bezahlt habe, habe Japan bis jetzt blosse 7 Milliarden Dollar solcher Gelder ausgegeben.

Vor allem habe Japan die Notwendigkeit einer Versöhnung mit seinen asiatischen Nachbarn nie erkannt. Shibusawa nennt mehrere Gründe, zum Beispiel die untergeordnete Rolle Asiens im damaligen Weltgeschehen, den kalten Krieg, der China und Korea in seinen Sog genommen hatte, die beiden Länder also, welche am meisten unter den Japanern gelitten hatten. Weiter habe sicher die Angst der Alliierten eine Rolle gespielt, ein allzu starkes Anprangern des japanischen Kolonialismus und seiner Aggressionen könnte zu einer Verstärkung der nationalistischen Gefühle in ihren eigenen asiatischen Kolonien führen. Weiter erwähnte er Japans verheerende Tendenz, "andere asiatische Länder zu unterschätzen, ja sogar zu verachten - eine Tendenz, die von der japanischen Vorkriegsobsession stammt, den Westen baldmöglichst einholen zu müssen".

Shibusawas Erklärungen und die Beiträge der andern japanischen Politiker beeindruckten viele Tagungsteilnehmer tief. Ein japanischer Geschäftsmann gestand, er sei in Tränen ausgebrochen, als er an jenem Morgen die Vergangenheit seines Landes neu überdachte.

Auf Shibusawas schonungslose Ehrlichkeit über sein Land antwortete ein ehemaliger britischer Soldat mit einem Bericht über seinen letztjährigen Besuch Hiroshimas mit einer Gruppe von Kriegsveteranen aus dem Zweiten Weltkrieg, und entschuldigte sich für Grossbritanniens Überheblichkeit in den Jahren vor dem Krieg, die bestimmt dazu beigetragen habe, "Japan in die Ecke zu treiben".
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Ein Weg aus der Krise - von Rhodesien nach Zimbabwe

Arthur Kanaderaka worked with Alec Smith to help forge peace in Zimbabwe.

In den siebziger Jahren fallen in Rhodesien Tausende von Menschen im Krieg zwischen den Freiheitskämpfern und der Armee der regierenden, weissen Minderheit. Zur gleichen Zeit kommen zahlreiche Rhodesier - Schwarze und Weisse - zu Tagungen nach Caux. In ihr Land zurückgekehrt, engagieren sich einige von ihnen für Vermittlung und Friedensstiftung zwischen Vertretern der Regierung und der Guerilla, unter ihnen der schwarze Pastor Arthur Kanodereka, der im Dezember 1978 ermordet wurde, kurz nach seiner Begegnung mit Robert Mugabe, einem der Anführer der Rebellion.

1979 trifft ein Minister der weissen Regierung Rhodesiens in Begleitung von vier Abgeordneten mit Mitgliedern der exilierten Opposition zusammen, und zwar in Caux. Teilnehmer an dieser Caux-Konsultation nehmen später an den Verhandlungen im Lancaster House in London teil, während andere ihre Friedensarbeit unbemerkt von der Öffentlichkeit fortführen.

Als Vorbereitungen für die ersten freien Wahlen getroffen werden, bereiten sich Teile der (weiss-)rhodesischen Armee darauf vor, einen Putsch gegen Mugabe zu unternehmen, falls er gewinnen sollte. Am Abend vor Bekanntgabe der Wahlergebnisse kommt in letzter Minute ein Treffen zwischen Robert Mugabe und dem Regierungschef Ian Smith zustande, initiiert von Freunden der Moralischen Aufrüstung. Am nächsten Morgen rufen beide Politiker das Volk zu Ruhe und Versöhnung auf, ein erster Schritt zur Beilegung der Krise.
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Die Neugeburt Kambodschas

Cambodian Rebirth

Schon lange vor dem Pariser Abkommen von 1991, das die Wiederherstellung des Friedens in Kambodscha ermöglicht, pflegen Gruppen der Moralischen Aufrüstung in Frankreich, Australien und den Vereinigten Staaten intensive Kontakte mit Exil-Kambodschanern; auf deren Wunsch und in der Hoffnung auf ihre mögliche Heimkehr in ihr Land werden Schulungsseminare veranstaltet (vor allem in Caux), u.a. zu den Fragen: "Wie können wir vezeihen? Welchen moralischen und geistigen Inhalt hat die Demokratie? Widerstand gegen Korruption - aber wie?"

Mehrere Kambodschaner entscheiden sich zur Rückkehr in ihr Land und übernehmen dort verantwortliche Positionen. Ihre tief greifende Erfahrung der Vergebung und Versöhnung mit ihren früheren Feinden macht sie zu Friedensstiftern im Prozess der nationalen Aussöhnung. 1993 und 1994 finden in diesem Geist mehrere von der Moralischen Aufrüstung initiierte Seminare in Phnom Penh statt. Ausserdem nehmen führende Persönlichkeiten des politischen und religiösen Lebens Kambodschas an Sommerkonferenzen in Caux teil.

Die Friedensarbeit wird unterstützt durch den Vertrieb zweier Videokassetten in der Khmer-Sprache (Videofilme sind das bevorzugte Kommunikationsmittel in Kambodscha). Einer der Filme dokumentiert das Leben und Wirken der französischen Widerstandskämpferin Irène Laure, die ihren Hass gegen die Deutschen überwand. Das zweite Video ist eine filmische Umsetzung buddhistischer Schriften, ein Aufruf, den Teufelskreis des Hasses und der Rache zu durchbrechen.
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Friedensinitiative für Somalia

Nach einem Aufenthalt in Caux überwindet ein ehemaliger somalischer Guerillakämpfer, der in Europa im Exil lebt, seinen Groll und seine Verbitterung und stellt den Kontakt zu seinem früheren Kommandeur wieder her, obwohl dieser ihn für ein Jahr ins Gefängnis gebracht hatte. "Mir ist klar geworden, dass Änderung in mir selbst beginnen musste", sagt er. "Ich habe mich von Angst und Bitterkeit befreit und dadurch eine neue Waffe für mein Land gefunden."

Dieser Somali lädt Vertreter verschiedener Clans zu sich ein, die auch in der Diaspora leben. Sein Bericht über die eigenen Erlebnisse und Erfahrungen der Versöhnung trägt dazu bei, ihnen neues Vertrauen einzuflössen.
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Der Krieg in Libanon

Der Libanon erfuhr großes Leid, als Spannungen zwischen Volksgruppen zu anhaltender Gewalt führten. Einmischung von aussen verschlimmerte die Zerstörung. Beirut, das zum Symbol von Spaltung und Verwüstung wurde, befindet sich nun im Wiederaufbau.

Selbst in den schlimmsten Zeiten riskierten es mutige und weitsichtige Menschen aller Seiten, einen Dialog über Barrieren hinweg aufrechtzuerhalten.

"Als der Krieg in Libanon begann, war ich zehn Jahre alt. Da ich als Christ im christlichen Stadtteil wohnte, brachte man mir bei, die Muslime seien unsere Feinde. Sie seien die Ursache für den Krieg in meinem Land. Durch die Begegnung mit der Moralischen Aufrüstung in Beirut und in Caux fand ich Zugang zu einem neuen Leben - zum Geschenk der Stille vor Gott, in der ich sein Licht für mich und meine Mitmenschen suche.

Mir wurde bewußt, daß ich und meine Volksgruppe auch am Krieg beteiligt sind. Als ersten Schritt begleitete ich einige Freunde in den andern Stadtteil von Beirut, um ihre muslimischen Freunde zu besuchen. Meinen Eltern verschwieg ich diesen Besuch, da es als gefährlich galt. Ich erfuhr innere Freiheit - frei von Haß, Vorurteilen und Hochmut.

Seither habe ich an Treffen für junge Leute - Christen und Muslime - teilgenommen, in denen wir zusammen saßen und diskutierten, wie wir Vertrauen aufbauen und was wir gemeinsam für unser Land tun könnten. Diese Treffen waren nicht immer einfach. Es konnte schwierig werden, weil Unterschiede in der Herkunft, im Denken, im Glauben noch vorhanden waren. Manchmal verletzten wir uns, doch die Lösung von Konflikten stärkte das Vertrauen untereinander. Es geht nicht nur um Beziehungen zwischen verschiedenen Volksgruppen - es ist notwendig, sich auf Gottes Licht zuzubewegen - durch die Offenheit für die Wahrheit, die in der anderen Person da ist. Am Arbeitsplatz, wo ich mit Muslimen, Armeniern und Maroniten (Katholiken) arbeite, bin ich ständig gefordert, offen und dialogbereit zu sein. Es ist leicht, meine eigenen Interessen zu verfolgen, ohne die Dinge aus dem Blickwinkel der anderen zu sehen."
Joe Hakim, Goldschmied

In Kriegen sondern sich Menschen leicht voneinander ab und werden in Gruppen abgestempelt. Während des Krieges im Libanon galten viele verschiedene Gruppenbezeichnungen, aber die meist Bekannten waren "Christen" und "Muslime". Bereits zu Beginn des Krieges wurde mir deutlich, daß die christlichen und muslimischen Werte und Lehren nicht mit dem Benehmen der Milizen beider Seiten übereinstimmten, die für die politische Macht ihrer Gruppe kämpfte.

Leider fällt die Wahrheit immer als erstes einem Krieg zum Opfer. Ich habe sehr früh realisiert, daß die Idee eines harmonischen Zusammenlebens von Christen und Muslimen ein Traum bleiben würde, solange nicht jemand sich aktiv für die Umsetzurig dieser Idee einsetzen würde. In diesem Punkt wurde Caux wichtig für uns. Dieser sichere und friedliche Ort bot einer ganzen Anzahl von Libanesen jedes Jahr die Möglichkeit, in einer Atmosphäre von Ehrlichkeit, Liebe und Uneigennützigkeit sowohl über Gemeinsamkeiten wie auch über Unterschiede zu diskutieren.

Diese Einübung eines fruchtbaren Dialogs ermöglichte uns mehr über "die anderen" zu erfahren. Mehr solcher Dialoge, wie wir sie in der Atmosphäre von Caux erlebt haben, sind für uns heute unerläßlich, wenn Libanon wieder als das Juwel des Mittleren Osten bekannt werden sollte - als ein Land gesegnet mit Frieden und Harmonie unter allen die dort leben.
Fadi lsmail, Journalist
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